EL CAVALL BERNAT

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Ein erfüllter Traum, der ein unbestimmtes Gefühl der Leere hinterläßt. Ich schlafe und träume ich wäre abgestiegen. In der Nacht danach der klare Sternenhimmel mit dem kalten Mondlicht auf den Rückgraten der schlafenden Dinosaurier. Ein Gefühl des Abschiednehmens für unbestimmte Zeit, das mir die Tränen in die Kehle treibt. Die letzten Seillängen in eisiger Kälte, an Griffen, die sich wie Eiswürfel anfühlen. Blaue Kälte mit dem Schatten des Cavalls unter uns, der auf den Macchiabüschen am Fuße der Flanke mit der Sonne wandert, umrahmt von zartblauem Dunst, der aussieht, als ob im Sommer die Tür einer Tiefkühltruhe geöffnet wird. In der Nacht danach blicke ich auf die schlafenden Riesen, nachts sind sie so beeindruckend, gekrönt von einem funkelnden Geschmeide aus Sternen und einem blausamtenen Nachthimmel durch den der Mond seine Bahn zieht. Meine Stirnlampe zeichnet eine leuchtende Spur in die Nacht, der laue Wind knistert in den Plastiktüten, die vor dem Bus liegen und aus dem Waldstückchen am Fuße der Wände hört man den Ruf der Käuzchen. Der Blick aus der letzten Seillänge in die Tiefe ist über alle Maßen atemberaubend. Ein sich windender Schlangenkörper so führen die Linien zu uns hinauf, erst in unserer unmittelbaren Nähe normalisiert sich das Liniengefüge wieder eine steile Wand, knapp an der rechten Kante der Nordwestseite des Cavalls. Noch nie habe ich es so genossen in ausgesetzter Lage im Stand zu hängen, die Beine gegen den Fels gedrückt, das Seil über die Füße gelegt, nach oben oder nach unten schauend, sichernd aber sehr frierend. Die Absicherung läßt keine Wünsche offen, die Wegführung in den letzten fünf Längen ist eindeutig erstens wegen der Linie, zweitens wegen der Bohrhakenreihe, die es ermöglicht die ganze Route auch technisch zu erklettern, obwohl in den beiden schweren Längen zwei Stellen auch technisch äußerst kraftraubend sind frei sind diese Längen ein wahrer Zauber, wir schaffen sie nur mit Rasten, der sich wie Eiswürfel anfühlenden Kiesel wegen. Den ganzen Tag wallen die Nebel bis zur oberen Straße, am Nordhorizont zeigt sich die weiße Linie der Pyrenäen, besonders deutlich gegen Mittag, als sich die Nebel ein wenig senken und zugleich verdichten. Unter ihnen brummt und summt die Welt, als ob das Geräusch durch den Nebel verstärkt werden wird. Die Gipfelrast, zwar voller Sonne, aber ein kalter Wind treibt uns zu den Abseilstellen. Am Fuße des Normalweges fängt das Gefühl schon wieder an, der Wunsch, daß ich länger oben geblieben wäre, hinter der Statue auf dem Gipfel kauernd auf die Wandfluchten der Pared de Diables schaue, hinüber zur Aeri, zu den Pyrenäen, zu der im blauen Dunst versunkenen Ebene am Fuße des Montserrats, zu den schneebedeckten Bergen im Norden und zu den märchenhaften Felsgebilden auf der Hochfläche des zersägten Berges. Klimpernder Abstieg durch Unterholz, vorbei an der Painxa del Bisbe und Sant Benet zu dem Kloster, das heute glücklicherweise nicht so erstürmt wird. Trotzdem reicht eine Busladung aus, um mir das Gefühl des Aussenstehens zu vermitteln. Eine deutsche Fuhre spuckt ihre Ladung aus. käsegesichtige, beleibte Deutsche erstürmen das Restaurant um nach der anstrengenden Fahrt ihr Wohlstandsreservoir aufzufüllen. Malmende Kiefer, biertrinkende Lippen, fettverschmierte Finger, die schon wie kleine Bierwürste aussehen und sie sind den weiten Weg ins Montserrat gekommen um das als Erinnerung an das Kloster und seine Umgebung mitzunehmen. Ich schnappe Gesprächsfetzen auf, daß es sich nicht lohnt auf die Hochfläche zu fahren, es sei zu kalt und viel gäbe es da sowieso nicht zu sehen. Wir kommen gerade von dort herunter und ich habe das Gefühl, viel in mir zu tragen und glaube, daß das den Unterschied zwischen mir und den Normalen, den erfolgreichen, richtigtickenden Bürgern ausmacht eine Sache auf die ich mir weiß Gott nichts einbilde, vielleicht schwärmen diese Leute vom großen Fressen im Restaurant mit Bahnhofscharakter irgendwann einmal genauso, wie wir von unserer Ersteigung der Punsolia-Reynu in blauer Kälte.
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